RESVERATROL – SCHLÜSSEL FÜR EIN LANGES LEBEN (TEIL 2): „Wundermolekül“ Resveratrol verzögert Zellalterung durch Nachahmung der Kalorienrestriktion

Als CR-Mimetikum ist Resveratrol die derzeit einzige Verbindung, für die in Studien ein signifikanter Einfluss auf die Lebensdauer der Zellen und der Organismen selbst nachgewiesen wurde.

Als bislang einzigartig gilt die Eigenschaft von Resveratrol als so genanntes CR-Mimetikum: Resveratrol besitzt die Fähigkeit, den Zellen unterschiedlicher Organismen eine Kalorienrestriktion (CR) vorzutäuschen.

Die Kalorienrestriktion gilt derzeit als am besten untersuchter, umfassend dokumentierter und vor allem einziger, experimenteller Ansatz der Anti-Aging Medizin, bei dem eine tatsächliche Lebensverlängerung nachgewiesen werden konnte.

Lange Zeit stand die Altersforschung vor einem ungeklärten Phänomen in der Frage, auf welche Weise eine langfristig verringerte Kalorienaufnahme (Kalorienrestriktion) bei nahezu allen Organismen lebensverlängernd wirkt und die Präsenz altersbedingter Erkrankungen verringert. Schon in den 30-er Jahren des vergangen Jahrhunderts belegten Studien von Clive McCay dass sich Laborratten, deren Nahrungsaufnahme um 30 Prozent reduziert wurde, an einer um bis zu 50 Prozent verlängerte Lebenserwartung erfreuten (10). Zunächst wurde die Kalorienrestriktion an klassischen Versuchsmodellen genetischer Forschung wie Fadenwürmern, Fliegen und Hefen untersucht. Inzwischen ist der Mechanismus auch an Humanzellen nachgewiesen.

Erst in den letzten Jahren jedoch konnte das Wirkprinzip der Kalorienrestriktion entschlüsselt werden:
Als Ursächlich gelten 1) ein reduzierter Stoffwechselumsatz und damit geringerer oxidativer Stress sowie 2) eine im Genbereich bedingte erhöhte DNA-Reparatur in den Zellen („Hungereffekt“).

Eine reduzierte Energiezufuhr hat die Folge einer Erleichterung des Stoffwechsels: Grundumsatz, Blutzucker- und Insulinspiegel sind herabgesetzt, was ein verringertes Risiko für Gefäß- und Stoffwechselerkrankungen bedeutet und die Zellenergie sowie die Entstehung von Freien Radikalen und oxidativen Stress für den Organismus vermindert.
Auf genetischer Ebene tritt zudem der sogenannte „Hungereffekt“auf: Durch Energieknappheit werden bestimmte Gene aktiviert, die die Körperzellen in einen Ruhe-Notstand versetzen, bezeichnet als „gene silencing“: Bei geringst möglichen Energieverbrauch werden Reparaturmaßnahmen der Zelle gestartet, was deren Lebensdauer verlängert. Die Kalorienrestriktion ruft eine Bildung und Aktivierung bestimmter Eiweiß-Enzyme so genannter Sirtuine (SIR), auch als Langlebigkeitsgene bezeichnet, hervor, von denen bisher sieben humane bekannt sind. Das bekannteste Langlebigkeitsgen ist das SIR-2-Gen. Diese Sirtuine bewirken eine verstärkte Reparatur geschädigter Zell-DNA, wodurch die Einzelzellen länger überleben. In höheren Organismen führt dieser Effekt zu verlangsamten Alterungsprozessen, einer Verringerung altersbedingter Erkrankungen und einer verlängerten Lebensspanne.

Resümee: Als CR-Mimetikum ist Resveratrol die derzeit einzige Verbindung, für die in Studien ein signifikanter Einfluss auf die Lebensdauer der Zellen und der Organismen selbst nachgewiesen wurde.

Erfahren Sie im nächsten Teil mehr zu Resveratrol: Antioxidative Potenz vs. Zellalterung

 

Referenzen / Ausgewählte Studien

1.Anderson, R. M.; Shanmuganayagam, D.; Weindruch, R. (2009). „Caloric Restriction and Aging: Studies in Mice and Monkeys“. Toxicologic Pathology 37 (1): 47–51.
2.Baur, Joseph A.; Pearson, Kevin J.; Price, Nathan L.; Jamieson, Hamish A.; Lerin, Carles; Kalra, Avash; Prabhu, Vinayakumar V.; Allard, Joanne S. et al. (2006). „Resveratrol improves health and survival of mice on a high-calorie diet“. Nature 444 (7117): 337–42.
3.Chen, D; Guarente, L (2007). „SIR2: a potential target for calorie restriction mimetics“. Trends in Molecular Medicine 13 (2): 64–71.
4.Cohen, H. Y.; Miller, C; Bitterman, KJ; Wall, NR; Hekking, B; Kessler, B; Howitz, KT; Gorospe, M et al. (2004). „Calorie Restriction Promotes Mammalian Cell Survival by Inducing the SIRT1 Deacetylase“. Science
5.Dorrie, J. C., et al., Resveratrol induces extensive apoptosis by depolarizing mitchondrial membranes and activating caspase-9 in acute lymphoblastic leukaemia cells. Cancer Res. 61 (2001) 4731-4739.
6.Frankel, E. N., Waterhouse, A. L., Kinsella, J. E., Inhibition of human LDL oxidation by resveratrol. Lancet 341 (1993) 1103-1104.
7.Fontana, L. (2004). „Long-term calorie restriction is highly effective in reducing the risk for atherosclerosis in humans“. Proceedings of the National Academy of Sciences 101: 6659–63.
8.Fontana, Luigi; Weiss, Edward P.; Villareal, Dennis T.; Klein, Samuel; Holloszy, John O. (2008). „Long-term effects of calorie or protein restriction on serum IGF-1 and IGFBP-3 concentration in humans“. Aging Cell 7 (5): 681–7.
9.Mattison, J; Lane, MA; Roth, GS; Ingram, DK (2003). „Calorie restriction in rhesus monkeys“. Experimental Gerontology 38 (1-2): 35–46.
10.McCay, C. M., Cromwell, M. F., Maynard, L. A., The Effect of retarded growth upon the length of life span upon the ultimate body size. J. Nutr. 10 (1935) 63-79.
11.Spindler, Stephen R. (2010). Biological Effects of Calorie Restriction: Implications for Modification of Human Aging. pp. 367–438.

 

Weiterführende Quellen:

Wikipedia-Eintrag zu Resveratrol