Folsäure und Vitamin B12 wirken Depression und Gedächtnisschwund im Alter entgegen

Ein Mangel an B-Vitaminen wie Vitamin B12 und Folat kann nachweislich die Degeneration des Gehirns beschleunigen und zu einer Verschlechterung kognitiver Fähigkeiten führen. Mediziner empfehlen deshalb zur Verlangsamung von Abbauprozessen des Gehirns und zur Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit und Stressresistenz, ab dem 55. Lebensjahr eine tägliche Nahrungsergänzung mit einem B-Komplex-Präparat.

Eine konsequent tägliche Nahrungsergänzung mit Folsäure und Vitamin B12 verbessert die kognitive Leistungsfähigkeit und lindert depressive Symptome bei Senioren mit hohem psychischen Belastungsprofil. Dieses Ergebnis liefert eine im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlichte klinische Studie der Australian National University.

Das wissenschaftliche Team um Dr. J. Walker untersuchte in ihrer randomisierten Placebostudie ob und inwieweit die erhöhte Zufuhr von Folsäure und Vitamin B12 der Rückbildung der kognitiven Leistungsfähigkeit bei Menschen zwischen 60 und 74 Jahren mit hoher Stressbelastung entgegen steuert. Weiterlesen

Neuroforschung: Folsäure könnte oft Depression verhindern

Der Mangel an bestimmten Vitalstoffen wie Folsäure stellt eine häufige und oft lange unentdeckte Ursache für die Entwicklung einer Depression dar.

Die unzureichende Aufnahme von Folsäure über die Nahrung scheint bei Frauen in engem Zusammenhang mit der Entwicklung einer Depression zu stehen. Dieses Ergebnis erbrachte eine von japanischen Wissenschaftlern aktuell publizierte Studie.

Das Forschungsteam untersuchte das Bestehen eines möglichen Zusammenhangs zwischen der Entwicklung depressiver Symptome und der Folsäure-Aufnahme über die Ernährung von Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter. Bei 141 Probandinnen zwischen 18 und 28 Jahren wurden die Folat- und Homocystein-Konzentrationen im Blut sowie, mittels eines international üblichen Fragebogens zu Depressionen, das mentale Befinden dokumentiert (Center for Epidemiologic Studies Depression scale). Zudem wurde die tägliche Aufnahme an Folat über die Nahrung mithilfe eines Ernährungsfragebogens ermittelt.

Die Auswertung der Daten zeigte: Frauen, bei denen verstärkt depressive Symptome dokumentiert wurden, wiesen eine signifikant niedrigere Folsäure-Zufuhr (weniger als 240 Mikrogramm täglich) auf, als Teilnehmerinnen mit niedrigen Depressions-Scores. Für die Frauen mit einer Folat-Zufuhr, die deutlich über der empfohlenen Mindestmenge von 240 Mikrogramm (RDA) lag, wurde ein maßgebend geringeres Depressionsrisiko festgestellt. Laut den Wissenschaftlern sei eine Nahrungsergänzung mit Folsäure (Pteroylglutaminsäure) mit einem verminderten Auftreten an Depression bei Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter assoziiert.

Folsäure – begrenzender Faktor beim Aufbau von Neurotransmittern

Die Erklärung aus der Neuroforschung: Für die Bildung der Nervenbotenstoffe Dopamin, Serotonin und Noradrenalin wird Folsäure benötigt. Ein Folat-Mangel hat daher einen direkten Rückgang der Neurotransmitter-Konzentration im Gehirn zur Folge – die nicht ohne Grund als Glückshormone bezeichnet werden. Eine Unterversorgung mit Folsäure begünstigt daher die Entwicklung depressiver Erkrankungen, so die Neuroforscher.

Folsäure-Mangel-Land Deutschland

Laut Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) wird die empfohlene tägliche Aufnahmemenge von 400 Mikrogramm (µg) Folat-Äquivalent von der Mehrheit der deutschen Bevölkerung nicht erreicht. Nur weniger als 20 % der deutschen Bürger nehmen die angeratene Folsäuremenge auf. Erwachsene sollten täglich 400 Mikrogramm Folat-Äquivalente aus der Nahrung oder über Nahrungsergänzung aufnehmen. Während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kinderwunsch empfehlen Ärzte eine zusätzliche Einnahme von 400 Mikrogramm Folsäure pro Tag über Nahrungsergänzungsmittel.

 

Quelle: Watanabe H. et al. Impact of dietary folate intake on depressive symptoms in young women of reproductive age. J Midwifery Womens Health. 2012; 57(1):43–48.

Weiterführende Quelle: Wikipedia-Eintrag zu Folsäure

Schrumpfen des Gehirns verlangsamt – Vitamin B12 senkt Demenz-Risiko

Gehirnschwund ist unaufhaltsamer Teil einer Demenz-Erkrankung. Cobalamin (Vitamin B12) ist beim Schutz des Gehirns unersetzlich denn es ermöglicht den Aufbau der Myelinschicht der Gehirnzellen. Fehlt Vitamin B12, wird die Myelinscheide abgebaut und der Schutzwall um die Nervenzelle degeneriert.

Niedrige Vitamin-B12-Spiegel bei älteren Menschen fördern das Nachlassen kognitiver (geistiger) Fähigkeiten und beschleunigen den Abbau an Hirnmasse.

Diese Erkenntnisse gehen aus einer jüngst im Fachjournal Neurology veröffentlichen US-amerikanischen Studie hervor. Die Untersuchung belegt, dass geringe Vitamin-B12-Werte mit kognitiver Beeinträchtigung und veränderten Hirnbereichen assoziiert sind. Eine adäquate Zufuhr an den Nerven-Vitaminen (B-Vitaminen) könnte laut den Durchführenden der Studie hingegen für eine hohe geistige Leistungsstärke unseres Gehirn bis ins fortgeschrittene Alter sorgen.

An der Studie im Rahmen des Chicago Health and Aging Projects nahmen 121 freiwillige Teilnehmer über 65 Jahre teil, bei denen die Serumwerte an Vitamin B12 sowie fünf weiterer Indikatoren für einen Vitamin-B12-Mangel – wie Methylmalonat und Homocystein – gemessen worden. Diese Stoffe werden bei einem Mangel an Cobalamin (Vitamin B12) verstärkt gebildet und daher als Marker für B12-Mangel verwendet. Innerhalb der Studiendauer von vier Jahren wurden diese Blutwerte wiederholt analysiert.
Alle Studienteilnehmer unterzogen sich darüber hinaus mehreren kognitiven Leistungstests, in denen die geistige Leistungs- und Gedächtnisfähigkeit der Probanden geprüft wurden, sowie einer Bestimmung des Gesamt-Gehirnvolumens nach Ablauf von vier Jahren. Diese Hirnscans zeigen auf, inwiefern einzelne Areale des Gehirns quantitativ zurückgegangen, sprich geschrumpft, oder geschädigt wurden.

Die Auswertung nach vier Jahren zeigte, dass die Probanden, deren B-12-Mangel-Marker (insbesondere Homocystein) erhöht waren und für die ein Vitamin-B12-Mangel zu verzeichnen war, einen sinifikant höheren Rückgang des Gehirnvolumens aufwiesen, verglichen mit den Studienteilnehmern mit adäquaten Vitamin-B12-Werten.
In den kognitiven Leistungstests schnitten die Senioren mit Vitamin-B12-Mangel zudem deutlich schlechter ab als die Senioren mit guten Vitamin-B12-Serumwerten. – Insbesondere stellten die Forscher einen Rückgang im episodischen Gedächtnis und in der Wahrnehmungsgeschwindigkeit fest.

Die Wissenschaftler unterstrichen, dass die typischen Anzeichen für Abbauprozesse im Gehirn und rückläufiges Gehirnvolumen insbesondere dann zu verzeichnen waren, wenn ein Mangel an Vitamin B12 über längere Zeit vorlag.

Die aktuelle Untersuchung stützt die Ergebnisse früherer Forschungsstudien zum Thema, die bereits einen Zusammenhang zwischen kognitiven Fähigkeiten im Alter und den Serumwerten der B-Vitamine belegten.

Vitamin B12 ermöglicht den Aufbau der Myelinschicht

Laut den Neurologen lassen sich diese Ergebnisse einfach erklären. Eine Unterversorgung mit Vitamin B12 sei grundsätzlich als großer Risikofaktor für Gehirnschwund und damit für kognitive Beeinträchtigungen zu sehen. Der Grund: Vitamin B12 hat eine zentrale Schlüsselfunktion für den Erhalt der so genannten Myelinschicht – der schützenden Membran der Nervenzellen. Zum Aufbau der Eiweiß- und Fettstruktur dieser Myelinscheide benötigt der Körper die Schlüsselsubstanz Vitamin B12. Fehlt das Vitamin baut sich die Myelinschicht stetig ab, die Folge ist eine verminderte Reizweiterleitung der Nervenzellen und damit verlangsamte Denk- und Gedächtnisprozesse.

Experten raten: Mehr B-Vitamine für Senioren

Immer mehr Neurologen empfehlen älteren Menschen (über 60 Jahren) generell eine tägliche Nahrungsergänzung mit Vitamin B12 zur Deckung ihres Bedarfs und um drohende Gehirnschwundprozesse abzuwenden. Grundsätzlich sollte bei B-Vitaminen möglichst immer auf den gesamten B-Komplex zurück gegriffen werden, da die Verstoffwechslungwege und metabolischen Funktionen von Vitamin B12, Vitamin B6, Folsäure und weiteren B-Vitaminen eng miteinander verknüpft sind.

Quelle: C. C. Tangney et al., Vitamin B12, cognition, and brain MRI measures. A cross-sectional examination. Neurology Vol. 77, Nr. 13, 2011, S. 1276-1282.

Weiterführende Quellen: Wikipedia-Eintrag zu Vitamin B12